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| de:bug #53, november 2001 | Blätter, das ist Akira Shiozawa aus Japan, und der hat noch viel vor. Keine Frage. Bislang, und das kann man auf seiner Debut E.P. hier hören, hat er diverse Male quer durch den Gemischtwarenladen gerauscht und dabei so wunderbare Klänge isoliert, die auch von finnischen Fernsehtürmen abstrahlen könnten, wenn wir uns hier richtig verstehen, diese dann aber nicht so wie in Skandinavien einfach so stehen und vor sich hin rauschen lassen, sondern vielmehr mit ihnen gearbeitet, mit kleinen Plinkereien versehen, schiebenden Rhythmen vorgestellt, die eher asiatisch traditionell als elektronisch klingen und dem Ganzen diesen Extraschnipp geben. So geht 'UV', der Opener. Und genauso groß bleibt es. 'Pulsate' zum Beispiel strudelt einen direkt auf das manipulierte Holodeck der übernächsten Enterprise-Generation, auf dem gerade eine Betaversion der Chicagoer Unterwelt der 1920er in Tokioter Settings ausprobiert wird. Ein rauchiger Jazzkeller. Auf der Bühne 3 Powerbooks und ein Kontrabass und go. 'Curtain' dann, ist eine waschechte Indiehymne, mit Rauschen, sowas wie einer Gitarre und loopiger Bewusstlosigkeit. Kompletthit. Blätter ist der Mann des Moments. Funkend und sternenklar. Über alle 6 Tracks könnten wir uns hier solche kleinen Geschichten ausdenken, aber sich diese Platte ins Regal zu stellen, ist der bessere Vorschlag. Killer. 5/5 ----Thaddi |
| repertoire # 31, januar 2002 | Nein, Blätter ist kein deutsches Projekt, wie man bei diesem Namen glauben mag. Dahinter verbirgt sich der 31-jährige Akira Shiozawa aus Tokyo. Diese Platte ist sein erstes Release und gleich mal ein ziemlich tolles geworden. Klingen die Stücke beim ersten Hören noch verdammt nach all diesen knisprigen Dubplatten à la Pole und Konsorten, wird dann aber doch schnell klar, dass hier auch was Eigenes passiert. Und zwar wird so eine Art Asien-Effekt über die rauschigen Rhythmusloops gelegt. Plinkernde Klings und Klongs aus irgendwelchen Instrumenten, deren Namen ich nicht kenne, machen hier einen auf Jazz, so wie man ihn sich nur in Bars dieser völlig kranken Manga-Metropolen vorstellen kann. Schleichend-schiebende Grooves und ein Kontrabass in 'pulsate' werfen die Frage auf, wieso nicht überhaupt jede Jazzcombo einen Laptop ihr eigen nennt. 'Curtain' lässt dann alles träumerisch weit fließen und passt perfekt zu den Bildern verlassener, eingeschneiter Vorstädte auf dem Cover. Am Schluss steht 'submerge', der Hit für all diejenigen, die immer zuletzt aus den verrauchten Lounges zurück in den alltäglichen Wahnsinn purzeln. Bitte ausprobieren!----nanobot |
| black # 26, dezember? 2001 | Filmische Verträumtheit, jazzige Lockerheit, knisternde Akustik, dubbige Rhythmik, neblige Atmosphäre. Lux Nigra pausiert von seinen treibenderen Projekten und genießt den geloopten Reduxambient von Akira Shiozawa in vollen Zügen. Nachdem Shiozawa durch den Electronica Boom 1997 angestossen anfing Musik zu machen, entwickelte er sich von dancigen Stilen hin zu abstrakteren Gefilden. Er hält sich mit Aufmerksamkeit erheischenden Rhythmen zurück und lässt an deren Stelle Harmonien und ruhige Klangexperimente gewähren. Organische Partikel schweben über sanfte Elektronikmelodien. Knisterndes Vinyl verbreitet fluide Filme für entspanntes Verharren. Subtile Klangdetails rangeln um Aufmerksamkeit vor dem Hintergrund gefasster Rhythmusketten. Ein sehr beruhigendes Hörerlebnis, das trotz der wenigen Elemente und zurückgenommenen Dynamiken immer interessant bleibt. ----T (TM) |
| raveline 01.2002 | Auch wenn Titel wie Artist herbstliche Stimmung vermuten lassen, verweisen die Worte in diesem Falle eher auf einzelne wohlgeformte Kleinst-Strukturen innerhalb einer musikalischen Masse, die von jazzigem Club bis zu ausgeschmücktem Dub wabert. Aus Japan kommt der Künstler - eine Ursache für die klangliche Besonderheit der Köln und Berlin nahen Umsetzungen, denen Einflüsse durch Pole, Thomas Brinkmann, Plaid etc. leicht anzuhören sind. 4/6----veg.b. |
| uzine 02.03 | Sixtracker by Akira Shiozawa from Tokyo on a label based in Berlin, Germany. Rather slow, so expect no Forcetracks or Kompakt grooviness here, but much rather something thin and tentative. Yet not very fascinating, mostly. The refinement seems limited to modesty, the lack of a pointe results in mediocrity. "Submerge" is an exception though, as it does have a subtle and accomplished mood. "Jellyfish" is my other favourite track, because it's got a mixable rhythm. Also worth your attention: the sleeve by Artificial Duck Flavour, based on video stills by Akihiko Yoshida. 2.7/5 ----pv |
| yot #19 | Eigentlich noch nachzutragen: diese EP ist definitiv eine der Platten des letzten Jahres. Die sechs Stücke, die der Japaner Akira Shiozawa hier als Debüt vorlegt, gehören zum schönsten, was ich in 2001 an Electronica zu hören bekam. Feine Texturen, verwehte Rhythmen, immer ist irgendwo ein Rest Melodie auszumachen, und dennoch wirken Blätter-Tracks durchwegs klar wie eine Bergquelle, selbst wenn eine seltsame Art von 4/4-Takt durchläuft. So tief und weit die Atmosphäre, so umfassend reich an ungewöhnlichen Ideen ist diese Platte. Domo arigato, Shiozawa-san, bitte lassen Sie bald ein ganzes Album folgen. Das wird hier dringend gebraucht! Schwärm! ----tbl |
| side-line #38 jan./feb./march 2002 | Cinematic dreaminess, jazzy coolness, crackling acoustics, dubby rhythms, misty atmospheres. Lux Nigra takes a break from its more driving projects and fully enjoys the redux ambient of Akira Shiozawa. Prompted by the 1997 electronica boom, Shiozawa started making music and slowly changed his style from dancey to abstract. He refrains from using attention-hungry rhythms and instead gives ample space to harmonies and low-intensity sound experiments. Organic particles float atop gentle electronic melodies. Buzzing vinyl distributes fluid films for relaxed idling. Subtle sound details vie for attention in front of composed rhythm chains. A very calming listening experience which stays interesting throughout despite the low number of involved elements and restrained dynamics. ----TTM: 6 |
| rifraf #132, 02/2002 | Akira Shiozawa noemt zich op grauwe herstdagen wel eens Blätter en gaat aan de slag met campy, naar de eighties lonkende synths, lo-fi elektronica en jazzy loopjes. Zijn 12" zoekt het bij dub, ambient en een voorzichtige deconstructie van popmuziek. ----svs |
| kaktus #9, 02/2002 | Pod nazwa Blätter kryje sie 31-letni Akira Shiozawa z Tokio. Zainspirowany dokonaniami takich artystow, jak Plastikman czy Plaid zadebiutowal w 1998 r. w programie radiowym "165" prowadzonym przez samego Ryuichi Sakamoto. Z czasem muzyka Shiozawy zaczeta ewoluowac w kierunku bardziej abstrakcyjnych form. Na krazku wydanym przez berlinska oficyne Lux Nigra znajduje sie szesc kompozycji Japonczyka utrzymanych w klimacie nastrojowego ambientu. W poszczegolnych utworach mozna sie doszukiwac elementow dubowych technik, jazzowych klimatow, mrocznej atmosfery filmowych soundtrackow czy precyzyjnej "zabudowy" drugiego planu, charakterystycznej dla tworczosci takich artystow, jak Pole czy Vladislav Delay. Wszystko to podane jest w orientalnym sosie, nadajacym muzyce oryginalny szlif. No i okladka - jak zwykle w przypadku wydawnictw Lux Nigry - starannie dopracowana i dobrana. Warto miec te plyte. ----pawel gzyl |
| beam me up 01/2002 | --Gefüllte Garnelen in Wan-Tans zubereiten, Blätter auf Vinyl wenden, Messer weglegen.-- Zweistöckige Häuser, alle schmuck, mit Terrasse darauf, mit Tannen davor. Speckgürtel um München herum. Das Büro: 140 leergeräumte Quadratmeter. Alles was er heute brauchte, hatte er hergeschleppt. Auch den Plattenspieler, auch den Wok und das spitze Messer und das Schweinefett; das Schweinefett gab's im Asialaden, in der Kühltheke. Gefüllte Garnelen in Wan-Tans. Zubereitungszeit: 40 Minuten. Kochzeit: 10 Minuten. Während dieser Zeit würde er die EP zweimal wenden. Alles musste anders werden. Auch das Essen. Er schnitt die 30 Wan-Tan-Hüllen mit dem scharfen Messer in dünne Streifen und deckte sie mit einem feuchten Geschirrtuch ab. Anfang Dezember hatten sie Konkurs angemeldet. Jetzt war die Firma beinahe abgewickelt. Schnell waren sie schon, zum Schluss. Storagemanagementadministrationssuitesalesman ganz allein vs. Nemax 50. New Economy-Pidgin. Sie zählten zu den Überlebenden der New Economy, bis November. November war lange her. Generation Pizza. Er wetzte das Messer am Schleifstab. Garnelen auspulen, 24 Stück: die Schwänze intakt lassen, die Köpfe wegwerfen. Mit der Messerspitze den dunklen Darm entfernen. Auf der Bauchseite leicht einschneiden, so dass eine kleine Tasche entsteht. Der Markt war hinüber, die Aktie ein Witz. Sie hatten sich bescheißen lassen, von den alten Säcken. Business-Angels; Schwarz-Mark waschen, ehe der Euro kommt. Im heraufziehenden Elend begannen sie dann selbst zu bescheißen. Aber so etwas will gelernt sein. Pech gehabt. Was hatten sie überhaupt gelernt, außer Pizza bestellen? Pizza, nachts um vier kalt aufessen; das hatten sie gelernt. Alles musste anders werden. Auch die Musik. Vinyl wenden, 400 g rohes Krebsfleisch, acht Frühlingszwiebeln und das Schweinefett auf einem Brett mit einem großen scharfen Messer zu einer feinen Mischung hacken; alles mit dem Eiweiß von zwei Eiern, drei Teelöffeln Speisestärke und etwas Salz und Pfeffer mit den Fingerspitzen gut vermengen. Das Messer gefiel ihm immer besser. Akira Shiozawa würde ihm später gefallen. Er war No-Name-Techno gewöhnt und Drum'n'Bass für Arme: all das abgestandene Zeug um München herum. Alles musste anders werden. Transparente Architekturen aus Digitalität und Analogie auf engmaschiger Gamelan-Basis z.B.: Blätter aka Akira Shiozawa. "Leaves" hatte er für heute bestellt, zum Anlass. Sie waren stehen geblieben. Und das Kapital war an ihnen vorbei marschiert, einfach vorbei. Was für ein Abschied. Mit dem Messer ca. 1 Esslöffel der Krebsmischung auf den Garnelen verteilen; dabei möglichst viel in die Taschen pressen. Die übrige Mischung um die Garnelen herumdrücken, mit feuchten Händen. Dann die Garnelen in der restlichen Speisestärke wenden, kurz in das Ei eintauchen, mit Wan-Tan-Streifen bestreuen und diese fest andrücken. In einem Wok vier cm Öl auf 180°C erhitzen. Er drückte die stumpfe Seite der Messerklinge in seine Handfläche und zog sie hindurch. Das Messer gefiel ihm. Draußen fuhr ein BMW M 3 vor; er kannte den Wagen: ein Relikt aus Pizzatagen, Lederausstattung, Schiebedach. Eines hatten sie immerhin gelernt: pünktlich sein. Hände waschen, Vinyl wenden. Die Garnelen portionsweise je vier Minuten frittieren. Auf Küchenpapier abtropfen lassen und sofort servieren. Vorher: Messer weglegen, weit weg legen. ----TafelMuzak No. 05 von Leonhard Lorek |
| kölner stadtillustrierte, march 2002 | In der experimentelleren Electronica-Ecke findet man den Japaner Akira Shiozawa, der die 6-Track-EP "Leaves" interessanterweise unter dem Namen Blätter veröffentlicht. Geräuschhafte, aber entspannte Stücke mit dezenten Beats schmeicheln dem interessiert lauschenden Ohr. Ein kleines Juwel. ----chm this review continues here. |
| auf abwegen #32, spring 2002 | Auf einer schmucken 6-Track-EP wandelt ein Japaner namens [Akira Shiozawa] auf den Spuren von Black Dog. Dies möchte ich nicht auf bestimmte Sounds beziehen, sondern auf die Bandbreite an Stilen und Stimmungen und wie diese sich ergänzen. Auf jeder Seite sticht ein Track besonders heraus. Nach eher kontemplativen Soundscapes und zaghaften Beats ist es auf Seite eins Jellyfish, ein behaglich zertrümmert vor sich her gallopierender Plastiktrack, der nach Wolfgang Voigt mit Kopfschmerzen klingt. Auf Seite 2 ist es dann Curtain, eine recht epische Nummer, die mit wohligen Strings und clonkigen Sounds tatsächlich Black Dogs End Of Time von 1995 nahe kommt. Schön! ----Zipo |
| testcard #11 june 2002 | [this review is the second half of a double review] Das ideale Kontrastmittel zu Crashkid went there ist die Leaves EP von Akira Shiozawa alias Blätter. Nicht, weil hier bösester Noise geboten wird, sondern weil Shiozawa mit anderen Mitteln ähnliches wie ckid erreicht. Eine durchwegs sanfte, emotionale Musik, selten von erkennbaren Rhythmen [i.e. Beats] durchzogen und mit Clicks und Sounds à la Oval arbeitend. Dies sind keine Songs, sondern kurz auflodernde Stimmungs-Bilder, die durch ihre Klarheit und Reduktion bestechen. Eine aus der Flut an ähnlich gelagerten Platten herausragende Veröffentlichung. ----Tobias Lindemann |
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