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| beam me up, februar 2004 von leonhard lorek |
Der Club im Kopf Das Berliner Label Lux Nigra hat den Soundtrack zum Familientreffen veröffentlicht. Leonhard Lorek wohnt um die Ecke. Ein Rezensentendasein führt zur Abgebrühtheit, unausweichlich. Weil: das Sein bestimmt das Bewusstsein (Marxengels). Bei Menschen, die wegen oder über Musik schreiben, sich dabei zwangsläufig abgebrühtes Zeugs antun, und das in Serie, kann Bewusstsein auf Dauer nur schlecht dem stumpf unterminierten Sein widerstehen. Findige Chinesen sollen aus dieser Erkenntnis heraus die Wasserfolter entwickelt haben. Sony und BMG haben bei den Chinesen gelernt. Wären da nicht die kleinen, tapferen Label, die mit ihrem Output Tristesse triggern, wäre ein Job am Schreibtisch im Landesrechnungshof dem eines Musikjournalisten vorzuziehen. Lux Nigra geht ins sechste Jahr und wird von Peter Gebert gemacht. Peter Gebert ist Multipara. Auf Multiparas Schreibtisch soll eine Schwarzlichtlampe stehen: der Club im Kopf. Clubtauglich ist einiges auf dem Familienalbum, schließlich gibt's auch was zu feiern. Mit dabei: Seelenquietschen und Radau. Familie halt. Elektrisiert. Elektrifiziert. Wahlverwandtschaften machen diese Familie aus: Multipara hat Lux Nigra ursprünglich als Web-Label gestartet; da kommen sie dann wohl auch her, die lieben Anverwandten. Japan. Israel. Polen. Deutschland. Konsens im virtuellen Clan ist Konfrontation. Die Ästhetik dieser Konfrontation gibt Lux Nigra vor. Und daraus resultiert die Spannung, die Intensität, der Spaß an der Sache. Künstler wie Akira Shiozawa aka Blätter, Rockin' Pony, Zorn, Biochip C, Artificial Duck Flavour, insgesamt sind es derer 15, auf einem Tonträger zu versammeln ist gewagt. Die Tracks so auszuwählen und anzuordnen, dass dabei ein in sich stimmiges Album entsteht, ist in diesem Fall gelungen, sehr gekonnt. Ein vollendetes Puzzle aus Rhythmen, ein Ganzes. Herr Gebert weiß, was er tut. Die CD ist schwarz, auf beiden Seiten; sieht aus wie ein Dummy. Ein CD-Dummy. Unbedarfte Gemüter werden sich nach dem Erstkontakt mit diesem Tonträger vielleicht wie Crashtest-Dummys vorkommen. Konfrontation konkret. Aber diese Konfrontation ist ungemein unterhaltend und, was bei dem Labelnamen besonders lustig daherkommt: sie ist von einer luziden Schönheit, angesiedelt an der Schnittstelle zwischen Seele und Hirn. Oder, um es auf den Punkt zu bringen: mit "Lux Nigra Allstars" (Lux Nigra / Kompakt) kommt eine durchgehalten geile Kompilation auf den Markt. Glückwunsch. Crashtest-Dummys aller Länder vereinigt euch, im Club im Kopf. Im Club im Kopf ist Platz für alle. Rein kommen aber bloß die, die man gern drin hat. |
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